Berichte von 11/2015

SEELENWÄSCHE

Mittwoch, 04.11.2015

So, im heutigen Bericht werde ich mich ausziehen… Emotional.. Seelisch.. Eine Seelenwäsche sozusagen.. Ihr habt so viel von mir gelesen und ich möchte aufrichtig zu euch allen sein. Denn aus gegebenem Anlass kam ein Freund dazu mir all diese Fragen zu stellen. Die ich direkt euch allen beantworten möchte!

 

Was hast du gesehen, was gefühlt, was vermisst und über was hast du dich am meisten gefreut

Hast du einen Freund der dich liebt und ehrt ?

Hast du die Ruhe zu dir selbst gefunden ?

Fragen über fragen… Sagte ich ja.

 

Fangen wir mit der Frage: „Hast du einen Freund der dich liebt und ehrt?“ an.

Sehr interessante Frage, denn eigentlich dachte ich ja… JA bis heute..

Da gibt es diesen einen Kerl. Von Anfang an war da diese eine Bindung zwischen uns… so eine gefühlvolle Verbindung die man kaum beschreiben kann. Keine Ahnung wie man soetwas nennt.

Noch nie in meinem Leben war ich ein solch, ausgeglichener Mensch. Es ist so harmonisch zwischen uns. Wir können uns echt alles erzählen.. wir vertrauen uns blind..

Wie er mich ansieht… mich berührt.. mit mir spricht…

Alles ist ein Abenteuer.. jedes Mal aufs Neue. All das Lachen… die Überraschungen.. die tiefe Dankbarkeit für jede einzelne Sekunde!

Und heute rennt er aus dem Haus… Beendet die Beziehung zwischen uns.. Wie sich spaeter herausstellt, war alles fuer ihn nur Freundschaft, was es fuer mich war? Keine Ahnung.. Vielleicht etwas mehr als nur Freundschaft.

Jedenfalls habe ich vergessen was für ein unerträglicher Schmerz einen wiederfährt, wenn man einen  Menschen der tief in dein Herz gebrannt ist, verliert.

Und warum das Ganze? ANGST. Angst vor einer ernsten Beziehung… Angst vor tiefen Gefühlen. Ich kann euch nicht genau sagen ob es vielleicht nicht sogar die Angst vor dem Glücklich sein ist.

Statt auf alles zu scheißen und die Steine aus dem Weg zu räumen, legt er selber Steine in seinen eigenen Weg des Glücks. Glücklich zu sein, zu lieben das ist keine Schande… Ob Mann, Frau, Schwarz, Weiß und Alter spielt auch keine Rolle!!! Gefühle sind eben Gefühle!!!

 

„Was hast du gesehen, was gefühlt, was vermisst und über was hast du dich am meisten gefreut?“

Ich habe so viel gesehen…

…so viele verschiedene Landschaften.. Naturwunder… so viele Menschen… viele verschiedene Menschen… Glücklich, traurig, verärgert, enttäuscht, arm, reich, ungepflegt, gepflegt. So viele Facetten der Natur, der Menschen. Die unzähligen Orte hier in Peru und in Bolivien. Dreckig, sauber, arm, reich, menschenleer, überfüllt, mystisch, magisch, atemberaubend.

Tod, Grausamkeit, Gewalt, Glück, Freude, Leid, Hass, Liebe, Leichtsinn, Mut..

Und so viel ich gesehen habe, so viele Gefühle strömen durch meinen Körper. Gefühle die du noch nie in deinem Leben gefühlt hast, Gefühle von denen du die Existenz nicht gewusst, ja sogar erahnen konntest. Ob es für all diese Gefühle einen Ausdruck gibt? Nein! Trotzdem werde ich es versuchen …

Abneigung, Abscheu, Andacht, Angst, Ärger, Aufregung, Ausgeglichenheit, Begeisterung, Beklemmung, Dankbarkeit, Eifersucht, Einsamkeit, Ekel, Empörung, Entrüstung, Entsetzen, Enttäuschung, Entzücken, Erleichterung, Erstaunen, Fassungslosigkeit, Feindschaft, Freude, Fröhlichkeit, Furcht, Geborgenheit, Geduld, Gelassenheit, Glaube, Glück, Hass, Heiterkeit, Hilflosigkeit, Hoffnung, Interesse, Kummer, Langeweile, Leid, Liebe, Lust, Missgunst, Misstrauen, Nachdenklichkeit, Neid, Nervosität, Neugierde, Panik, Ratlosigkeit, Reue, Schadenfreude, Scham, Schmerz, Schuld, Schwäche, Sicherheit, Sorge, Spaß, Stärke, Stress, Stolz, Trauer, Überraschung, Ungeduld, Unglück, Unsicherheit, Verbitterung, Verblüffung, Vergnügen, Vertrauen, Verwirrung, Vorsicht, Wut, Zorn, Zuneigung Zurückhaltung, Zuversicht.

Ja das sind schon eine Menge Gefühle… und bei all diesen Gefühlen die tagtäglich durch deinen Körper strömen.. dich teilweise lähmen… dich aber auch beflügeln…

Da vermisst man natürlich auch eine Menge… Ja? Kaum vorstellbar… ABER wenn man ehrlich zu sich selbst ist.. vermisst man nur eines! Die Liebsten die in deinem Herzen verankert sind und die gerade nicht in deiner Nähe sind.

Hier im Haus mit all den Freiwilligen gab es diese zwei Mädels, die hatten ein Projekt… Zwei Listen… „Vermissen“ und „Dankbarkeit“. Viele haben dieses Projekt weiter geführt… auch ich dachte daran solche Listen zu machen… doch mittlerweile erscheint mir das alles so absurd… Die Liste mit dem „Vermissen“ meine ich.. die werde ich streichen, nicht mehr führen.. Den bei „Vermissen“ stehen vor allem Lebensmittel, Gerichte, Materielles… Das ist alles nicht wichtig! Wichtig sind Gefühle und sowas… Das man Gesund ist z.B., ja gerade das gesund sein schätze ich unglaublich, das vermisse ich unglaublich… denn vor wenigen Tagen wurde ich erst aus dem Krankenhaus entlassen… Ja das zweite Mal.. Amöben Parasiten waren es diesmal.. Ja vermissen tu ich das Gesund sein….

„Dankbarkeit“… Diese Liste eröffne ich euch zum Schluss.. bis dahin möchte ich noch fleißig sammeln. Diese Idee finde ich nämlich richtig schön und ich werde definitiv solch eine Liste schreiben und später mit euch teilen.

Worüber habe ich mich am meisten gefreut?? Wow! Knifflige und sehr schwierige Frage über die ich sehr sehr lange nach grübeln werde, da es sooo unzählig viele Sachen gibt worüber ich mich gefreut habe… das dachte ich zu mindestens..

DENN dieser eine Moment… Der hat sich so tief in mein Herz und in meinen Kopf/ in meine Erinnerung gebrannt, diesen werde ich nie vergessen… über diesen werde ich mein Leben lang Freudentränen in den Augen haben… Und ihr alle habt diesen schon gesehen, diesen habe ich bereits geteilt…

„Te amo Teacher Franci“. Als Angheli diesen Satz auf die Straße malte, an einem der vielen Tage im Los Molinos, da war ich tief berührt. Denn das Lächeln, die Dankbarkeit der Kinder, das ist das was einen prägt und einen später zu einen besseren Menschen macht. Denn „Zeit die wir uns nehmen, ist Zeit, die uns etwas gibt“.

„Hast du die Ruhe zu dir selbst gefunden?“

Kann ich diese Frage splitten? Ich habe nämlich die Ruhe in mir selbst gefunden. Ich kann behaupten ich habe mich schon verändert.. bin ruhiger geworden.. Vielleicht sogar spiritueller, religiöser.. Ich war eigentlich noch nie so wirklich religiös.. Allerdings gehe ich hier sogar in die Kirche..

„Bald, wenn alles gut ist und du eines Tages zurück blicken wirst auf diese Zeitspanne deines Lebens, wirst du unendlich glücklich sein, dass du niemals aufgegeben hast.“

Doch habe ich zu mir selbst gefunden?

Ich denke diese Reise, die Reise zu mir selbst, die dauert noch an.

Wer bin ich? Wer bin ich nicht? Wer möchte ich sein?