Berichte von 08/2015

LOS MOLINOS - KIDS CLUB

Sonntag, 30.08.2015

Los Molinos ist ein „Afterschool“ Projekt im Stadtteil San Jeronimo in Cusco.

Eröffnet 2012 in Kooperation mit der San Blas Spanish School läuft dieses Projekt allein mit Voluntäre und Spenden.

Ziel ist es, die Kinder mit ihrer Bildung und in der Entwicklung zu unterstützen.

Rund 25 Kinder im Alter zwischen 3-12 Jahren kommen tagtäglich freudestrahlend in den Club, begrüßen einen herzlich mit Umarmungen.

 

 

 

Seit mehr als vier Monaten bin ich nun schon im Projekt und es wird Zeit dass ich euch von meinen ersten Erfahrungen berichte.

 

Jeden Tag laufe ich diesen Weg, ob ich mich jemals daran gewöhnen kann?

An diese ganze Armut, an das Leid das mir hier täglich begegnet. An den Gestank und an den Dreck.

Sobald man die Straße einbiegt, sich von der Av. De la Cultura weg bewegt, scheint es als ob man sich in einer anderen Welt befindet.

Am Anfang läuft man an alten, baufälligen Häusern vorbei. Vorbei an der netten alten Dame die in einem kleinen Holzstand Süßigkeiten, Obst und Getränke verkauft.

Man überquert den „Stinkefluss“. Der Gestank ist mal stark und mal schwächer. Tatsache ist aber, dass in diesen Fluss sämtliches Abwasser eingeleitet wird und als ob das nicht schon genug wäre, wird auch noch sämtlicher Müll einfach in ihn hinein geworfen.

Der Weg führt einen weiter auf die Sand und Schotterstraße, über die Schienen, vorbei an einer Tankstelle und weiteren netten Verkäuferinnen. Die eine verkauft Chicha, die andere Eis, wieder eine andere Obst aus einer Schubkarre.

Immer weiter gerade aus führt mich mein Weg, über den Müllberg, vorbei an Schafen und eine Horde von Straßenhunden.

Neben der ehemaligen „Pillao Matao“ Schule liegt es, mein geliebtes Projekt.

 

 

  

 

Ich stehe an der Tür krame den Schlüssel raus, schon kommen die ersten Kids angelaufen „TEEEAACHEEEER“ „¿Que hacemos hoy?“ „Was machen wir heute?“ Schon muss ich das erste mal lachen. Die Kids freuen sich jeden Tag wieder spannende und lustige Dinge mit uns Freiwilligen zu unternehmen. Sie sind Dankbar für dieses Projekt und kommen jeden Tag wieder aufgeregt voller Freude in den Club.

Mal antworte ich „Jugamos“ (spielen), mal „Hacemos trabajos manuales“ (basteln), Dienstags antworte ich „Clases de Inglés“ (Englisch Unterricht), Freitags ist es Zeit für „Pelicula“ (Film).

 

Ich schließe den Club auf, lege Bälle, Holla Hoop Reifen, Legosteine und andere Spielsachen bereit.

Nach und nach stürmen mehr und mehr Kinder in die Räume.

 

¿Jugamos Uno?“ „¿Quieres jugar Uno? Ertönt es jeden Tag von Angheli, die Kleine steht einfach total auf das Kartenspiel Uno.

 

Wir spielen Uno, Tennis, Fußball, wir bauen unsere Traumhäuser aus Lego, wir knuddeln mit Kuscheltieren oder malen Bilder.

      

Kleiner Auszug aus unseren Aktivitäten:

Basteln für "Inti Raymi" (Sonnenfest) 

  

Basteln für "Día del Padre" (Vatertag)

   

TShirts bemalen

      

 Malen kann man auch auf den Gesichern

     

 

Teilweise brauchen die Kidis Hilfe mit den Hausaufgaben, gerne stehen wir dann zur Seite erklären und helfen.

Da kaum Englisch in den Schulen unterrichtet wird und kaum ein Peruaner aus den ärmeren Verhältnissen Englisch kann, unterrichten wir dienstags im Los Molinos immer 4-5 Wörter in Englisch.

Die Wochenaktivitäten bauen dann auf dieses Thema in Englisch auf, sodass eine gesamte Woche ein Thema behandelt wird damit die Kinder es sich spielerisch merken können.

    

 

Nach und nach baue ich meine eigenen Ideen ins Projekt mit ein.


Ziemlich schnell ist mir aufgefallen, dass viele Kinder mit sehr vielen Süßigkeiten ins Projekt kommen. Also gehe ich nun jeden Freitag auf den „Vino Chanchon“ Markt, kaufe frische Früchte und reiche sie dann später zum Film.

Der Süßigkeiten Konsum hat sich dadurch stark reduziert, sodass die Kinder z. B. beim Film gar keine klebrigen Sachen mehr mitbringen.

Da wären wir schon direkt beim nächsten Problem. Das wohl größte Problem dass Kinder aus armen Verhältnissen haben...

… Hygiene …

Es ist keine Seltenheit dass die Kidis mehrere Tage in den gleichen Klamotten kommen, dem entsprechend riechen sie, sie sind dreckig und ihre Zähne sind übersäht mit Karies.

Also werden sich im Los Molinos immer fleißig die Hände gewaschen und nach den zwei Stunden Projekt muss sich jedes Kind die Zähne putzen.

Es ist überaus wichtig jetzt mit der Mundhygiene anzufangen. Die meisten der Kids haben noch Milchzähne, sodass noch nichts zu spät ist.

   

Nach dem Waschen und Zähneputzen bekommt jedes Kind dann einen Sticker, dieser wird in die Liste eingeklebt um die Anwesenheit zu bestätigen.

Glücklich heißt es dann „¡Ciao teacher hasta mañana!“ „¡Hasta mañana!“ (Bis morgen).

   

Zurück führt mich der Weg an den Straßenhunden vorbei, über den Müllberg, über die Schienen, über den Stinkefluss. Vorbei an der alten Dame die Holzspieße mit Fleisch und Kartoffeln grillt.

Mit einem dieser unglaublich leckeren Spieße bewaffnet gehe ich weiter den Berg hoch, über die Cultura, zurück ins „reichere“ Viertel von San Jeronimo. Zurück in mein Apartment in dem die Welt so heile und perfekt zu sein scheint und grüble über weitere Aktivitäten fürs

Los Molinos

nach.

NEXT STOP - PICOL -

Samstag, 01.08.2015

28.07.15 Día de la Independencia – Unabhängigkeitstag –

Und was gibt es an diesem Tag besseres als die vollständige Freiheit zu genießen?

Eine Reise an meine Grenzen…

…doch diese wundervolle Landschaft zu genießen, allein dafür lohnt es sich!

Auf der Spitze zu sitzen, am Kreuz auf 4300 m und das pure Freiheitsgefühl und die Glückseligkeit durchströmt deinen Körper.

Also heißt es für uns… Auf zum Picol!

Am Fuße dieses 4400 m Berges liegt unser Zuhause. Hier in San Jeronimo, einem Stadtteil von Cusco sehen wir ihn jeden Tag mehrmals, wenn wir nachhause kommen, beim Aufstehen und beim ins Bett gehen, jedes Mal wenn wir aus dem Fenster schauen.

Die erste Stunde streiften wir durch die kleineren Dörfer, durch die ersten Wälder und vorbei an Wasser.

Hätten wir den eigentlichen Weg genommen, klar wären wir wahrscheinlich in 3 Stunden auf dem Gipfel gesessen. Doch warum einfach wenn es auch kompliziert geht?

Also quer Beet ein! Über steile Abhänge, über Felder, über Klippen – dem Tod darf man nicht in die Augen schauen – Leben am Limit.

Abenteuerlich! Laufschritt, Klettern, auf allen Vieren, ja wir haben wirklich etwas erlebt dass uns keiner mehr nehmen kann.

Und nun sitzen wir hier, nach 6 Stunden haben wir es geschafft, hier am Kreuz, auf dem Gipfel des Picols!

Die ganze Stadt liegt uns zu Füßen, alles wirkt so klein. Und selbst die Flugzeuge die normalerweise über unsere Köpfe rauschen sind so klein und fern.

 

Einiges hat sich in den letzten Tagen verändert und einiges geht mir durch den Kopf. Auf unserer Reise zur Spitze geht meine Reise zu mir selbst weiter.

Ich sehe so viele wunderbare Menschen kommen und gehen, hier in meiner Zeit in Peru. Von jedem einzelnen werde ich geprägt. In irgendeiner Art und Weise bleibt etwas von ihnen an mir haften.

So viele Gefühle strömen durch meinen Körper. – Sehnsucht, Heimweh, Glück, Weisheit, Fernweh, Eifersucht, Neid, Pech, Freude, Hoffnung, Mut – um nur wenige von ihnen zu nennen. Denn viele von diesen Gefühlen kann ich nicht beschreiben oder in Worte fassen.

 

Hier auf dem Gipfel des Picols zu sitzen und das Leben zu genießen, eines der besten und schönsten Momente in meiner Zeit in Peru.

Auf jeden Fall möchte ich diese unbeschreiblichen Gefühle noch einmal erleben!

 

     

 

"When the Last Tree Is Cut Down, the Last Fish Eaten, and the Last Stream Poisoned, You Will Realize That You Cannot Eat Money."